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01.09.2017

Reformation in Rom?

Bremer Christen beider Konfessionen fahren gemeinsam nach Rom

Reformation in Rom?
Bremer Christen beider Konfessionen fahren gemeinsam hin

von Ottmar Hinz, Ev. Bildungswerk

Im 500. Jahr nach Luthers Thesenanschlag machen sich am Montag (4. 9.2017) evangelische und katholische Christinnen und Christen aus Bremen gemeinsam auf den Weg - und das ausgerechnet nach Rom, wo vor fast 500 Jahren der Ketzerprozess gegen den Reformator angestrengt wurde. Zur Reisegruppe gehören Bürgerschaftspräsident Christian Weber, der katholische Propst Martin Schomaker und Präsidentin Edda Bosse sowie Pastor Renke Brahms für die Bremische Evangelische Kirche, außerdem Männer und Frauen, Ehren- und Hauptamtliche aus unterschiedlichen kirchlichen Arbeitsfeldern der Ökumene, darunter auch Jüngere, die noch im Studium oder am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen. Die Gruppe möchte sich in Gesprächen im Zentrum der katholischen Weltkirche ein aktuelles Bild vom derzeitigen Stand und den Aussichten der Ökumene machen und sich Anregungen und Schwung für die Zusammenarbeit in Bremen holen.

Organisiert haben die fünftägige Romfahrt Ottmar Hinz vom Evangelischen Bildungswerk und seine Kollegin Magda Ehmke von der Katholischen Erwachsenenbildung. Die beiden erhoffen sich davon eine Weitung des konfessionellen Blicks. Es gehe heute nicht nur um eine Erneuerung der Kirche, sondern auch um eine entschlossene Hinwendung zu den Problemen der Welt. Von Papst Franziskus seien in wenigen Jahren bereits wichtige Impulse ausgegangen. "Manches davon ist hierzulande kaum wahrgenommen worden," hat Hinz beobachtet: "Vielleicht waren wir auf der evangelischen Seite einfach zu sehr mit unserem großen Jubiläum beschäftigt." Doch nachdem mittlerweile sogar Margot Käßmann, die Reformationsbeauftragte der EKD, Papst Franziskus einen Reformator genannt habe, halten die beiden kirchlichen Bildungswerke es für höchste Zeit, nach einer Kirchenreform heute und weiteren Schritten auf dem Weg zur Einheit der Christenheit zu fragen

Propst Schomaker, der Leiter des katholischen Dekanats Bremen, ergänzt: "Unsere evangelischen Freunde und uns interessiert, ob das Papstamt, das vor fünf Jahrhunderten ein Trennungsgrund war, die Christen heute wieder verbinden kann." Sein evangelischer Kollege Renke Brahms macht auf einen anderen Aspekt aufmerksam. Franziskus sei offenbar kein Freund päpstlicher Machtworte und setze stattdessen auf eine Stärkung des Synodalprinzips, das heißt die gemeinsame Beratung und Entscheidungen vor Ort. "Dieses Prinzip herrscht ja in unseren protestantischen Kirchen vor", betont Brahms: "Und eine Erneuerung der katholischen Kirche in diesem Sinn kann die Konfessionen einander näherbringen." Christian Weber interessiert der Beitrag der weltweiten Ökumene zur Lösung der großen Weltprobleme Krieg, Armut, Klimaerwärmung und Migration. Weber beeindruckt am jetzigen Papst, "dass er zu den drängenden Themen der Welt deutliche Zeichen setzt und damit Christen aller Konfessionen und auch Nichtchristen zu eigenem Handeln ermutigt.

Die Spannweite der Gesprächspartner in Rom reicht von Kardinal Walter Kasper, einem der engsten Weggefährten und Berater von Papst Franziskus, über Annette Schavan, deutsche Botschafterin am Vatikan, bis zu Professor Daniele Garrone von der Waldenserhochschule in Rom. Der aus Afrika stammende Kardinal Peter Turkson wird der Bremer Gruppe eine Kurienreform erklären, die hierzulande kaum wahrgenommen wurde: Franziskus verfügte im letzten Jahr die Zusammenlegung der vorher separaten vatikanischen Fachbehörden für die Bereiche Frieden, Gerechtigkeit, Migration und Entwicklungshilfe. Turkson wurde zum Chef der neuen Organisationseinheit "für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen" ernannt. "Darüber möchten wir gern Näheres erfahren", sagt Reiseorganisator Hinz: "In der deutschen Bundesregierung sind ja die Zuständigkeiten für diese eigentlich zusammengehörenden brennenden Themen auf mindestens sechs Ministerien verteilt.

Bremen kann etwas von Rom lernen, darin waren sich die Teilnehmenden der Studienreise bei einem Vorbereitungstreffen einig. Sie haben sich darauf verständigt, die Verantwortlichen in Rom umgekehrt auch etwas vom freundschaftlichen Klima in der Bremer Ökumene spüren zu lassen.

Text und  Kontakt: Ottmar Hinz, Evangelisches Bildungswerk, Telefon 0421 34615-34 oder Mobil 0163 4512529