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12.07.2017

Fotos: Marietta Armena

Marietta Armena, Michelangelo und Papst Franziskus

Die armenische Künstlerin reist mit ihrem Papstporträt von Bremen nach Rom

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 11.07.2017

Bremen (mh) Der Traum, einmal die Werke von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle zu sehen, hat Marietta Armena seit ihrer Jugend in Armenien begleitet. Nach dem Abschluss ihres Studiums der klassischen Malerei in Yerevan kam sie 1993 eigentlich nur nach Bremen, um sich durch Porträtmalerei eine Reise nach Rom zu finanzieren.

Aber es kam anders. Bremen wurde die neue Heimat der Künstlerin. Deutsch lernte die junge Frau damals mit einer Bibel, die sie in der Zion-Gemeinde geschenkt bekommen hatte. Anfangs wunderte sie sich, dass viele Bekannte lachten, wenn sie deutsch sprach. „Es hat mir keiner gesagt, dass niemand so spricht“, sagt sie heute. Der Religion begegnet sie immer wieder in ihrem Leben: in ihrer Kunst, in der sie sich seit fünfzehn Jahren mit dem Thema Schöpfung beschäftigt. In ihrer Familie, in der es sieben Archimandriten gab, ein Ehrentitel für östlich-orthodoxe Priestermönche. Oder in ihrer Liebe zur Kunst von Michelangelo, dessen Tagebücher sie schon als Jugendliche gelesen hat.

Fast 25 Jahre hat es allerdings gedauert, bis sich ihr Traum nach Rom zu reisen, im Juni 2017 erfüllt. Davon erzählt die heute 57-Jährige am 11. Juli in der Villa Ichon in Bremen. Ebenso groß wie ihre Bewunderung für Michelangelo ist seit dem ihre Begeisterung für Papst Franziskus.

Alles fing an mit einem Brief, den die armenische Künstlerin im Oktober 2016 an Papst Franziskus geschrieben hat. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte aus Anlass des 100. Jahrestages der Massaker an den Armeniern diese Gräuel mit großer Klarheit als „Völkermord“ bezeichnet. Das wiederholte er auch bei seinen Reisen nach Armenien und Aserbaidschan im Jahr 2016. Damit habe der Papst auch zum Meinungsumschwung in Deutschland beigetragen und die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages vom 2. Juni 2016 ermöglicht, ist die Künstlerin überzeugt. Es ärgert sie, wenn westliche Länder oder Wissenschaftler Angst haben, das Wort „Amenien“ auszusprechen. Sie versteht ihre Geschichte nicht nur als eine Familiengeschichte, sondern als Geschichte der Menschheit: „Wer die Augen und Ohren zumacht vor dem Leid anderer Menschen, macht sich mitschuldig“.

Armena war es ein Herzensanliegen, dem Papst mit einem Porträt für seine deutlichen Worte zu danken und ihm davon in einem Brief zu berichten: „Die Wahrheit über diesen Genozid gibt den Millionen Opfern von 1915 ihre Würde zurück – auch den Toten meiner eigenen Familie.“

Das ganz in Blau- und Weißtönen gehaltene Porträt zeigt Papst Franziskus mit einer Taube in der linken Hand vor dem Berg Ararat. Auf diesem Berg in Ostanatolien nahe der Grenze zu Armenien und dem Iran soll nach der Sintflut die Arche Noah gestrandet sein. Für Armena ist der Ararat das Symbol für verlorene Heimat. Mehrfach hat die Künstlerin schon von diesem Berg geträumt: „Durch meine Umarmung ist das Eis des Berges geschmolzen und ich konnte Überreste der Arche Noah sehen“. Papst Franziskus ist für die Künstlerin, die selbst zur armenisch-apostolischen Kirche gehört, der Botschafter für den Frieden auf der ganzen Welt schlechthin. Deshalb hat sie ihn mit dem Friedenssymbol der Taube gemalt.

Als Ende Mai eine Antwortmail aus Rom kam mit der Einladung zu einer Papstaudienz, ging plötzlich alles ganz schnell. Birgitt Rambalski, Protokollchefin im Bremer Rathaus, hilft, den Kontakt zu Kurienerzbischof Georg Gänswein herzustellen, der als Präfekt des Päpstlichen Hauses auch für die Organisation der Audienzen zuständig ist. Über ihre Mitgliedschaft im Armenisch-Akademischen Kulturverein 1860 e.V. bekommt Marietta Armena Kontakt zu Michael Hesemann, der im Geheimarchiv der Vatikans geforscht und das Buch „Völkermord an den Armeniern“ geschrieben hat.

„Aber drei Tage vor Abfahrt war das Bild noch nicht fertig und die Farbe war noch nass“, erinnert sich die Künstlerin. Die Idee, das Bild im Flugzeug nach Rom zu transportieren, erwies sich trotz aller Unterstützung durch den Flughafendirektor als unrealistisch. Denn das 1,50 Meter mal 1, 50 Meter große Porträt war einfach zu groß. Schließlich hat die selbst nur 1,52 m große Frau ihr Bild auf einer abenteuerlichen Reise mit dem Zug nach Rom gebracht. Egal ob der italienischstämmige Zugschaffner, ihre Mitreisenden oder die Touristen in Rom: wo immer Marietta Armena mit ihrem riesigen Papstporträt auftaucht, wird sie angesprochen und zaubert den Menschen ein Lächeln ins Gesicht.

An die Generalaudienz am 21. Juni, an der Armena in der ersten Reihe teilgenommen hat, erinnert sie sich nur in Teilen: „Ich war so aufgeregt, hatte nicht geschlafen und nicht gegessen, es war heiß, es ging mir schlecht“, erzählt die zierliche Frau. Aber es gibt Fotos, die nicht nur ihr großes Papstporträt zeigen, sondern auch wie der Papst die Künstlerin segnet und lange mit ihr spricht. Sie selbst erinnert sich besonders an einen Satz des Papstes: „Bitte beten sie für mich. Ich brauche das.“ Das tut Marietta Armena seitdem täglich und bittet auch alle Menschen, die ihr zuhören, für diesen Papst zu beten, der es in seiner eigenen Kirche oft nicht leicht habe.

Beindruckt ist sie von dem Brustkreuz, das Papst Franziskus trägt. Es zeigt nicht den gekreuzigten Christus, sondern den Hirten umgeben von seiner Herde. Marietta Armena hat sich so ein Kreuz zur Erinnerung aus Rom mitgebracht und hält es während ihres Vortrags lange in den Händen.

Dass die Künstlerin es dann auch noch geschafft hat, geschlagene fünf Stunden in der Sixtinischen Kapelle zu verbringen, macht ihr Glück fast perfekt. Nun ist sie überzeugt: Michelangelo bleibt für sie der größte unter den Künstlern. Sie zitiert ihn mit den Worten „Ein Künstler soll ehrlich zu sich selbst sein, seine Ideen und Träume realisieren und sich nicht von anderen beeinflussen lassen“. Marietta Armena hat ihren Traum wahrgemacht. Jetzt sagt sie: „Die Wirklichkeit kann noch großartiger sein als ein Traum“. Deshalb wünscht sie allen Menschen, dass sie ihren Träumen und sich selbst treu bleiben. Die Begegnung mit dem Papst habe etwas in ihr verändert: „Jetzt träume ich davon, den Papst zu skizzieren.“