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Da sahen sie,

dass der Stein vom Grab

weggewälzt war.

Lk 24,2

10.01.2018

Ausstellung Friedensboten noch bis zum 25. Januar

Finissage mit der Künstlerin Marietta Armena

Noch bis zum 25. Januar ist die Ausstellung „Friedensboten“ der armenischen Künstlerin Marietta Armena in Bremen im Franziskussaal der Propsteikirche St. Johann und im Atrium Kirche in der Hohen St. 7 im Schnoor zu sehen. Die Finissage in Anwesenheit der Künstlerin findet statt am Donnerstag, den 25. Januar um 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Marietta Armena möchte mit ihrer Kunst den Diskurs über dier Frage anregen, wie Menschen friedlich zusammenleben können, die aus Opfer- und aus Tätergesellschaften stammen. Diese Menschen haben ihre sehr eigenen Erfahrungen miteinander gemacht und treffen nun oft in Deutschland wieder aufeinander. Ihr Credo dazu: „Nur in aktiver Erinnerung an unsere gemeinsame Geschichte werden wir wahren Frieden schaffen und bewahren. Kunst ist immer kompromisslos, Kunst spiegelt Wahrheit – darin liegt ihre Frieden stiftende Kraft: Nur wenn wir uns der Wahrheit öffnen, werden wir Versöhnung zulassen können. In Wahrheit und Versöhnung liegt die Kraft, die tiefe Kluft zu schließen – die Kluft zwischen Tätern und Opfern, die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen denen, die sich alles genommen, und denen, die alles verloren haben.“

Die Künstlerin klagt nicht an, an keiner Stelle identifiziert sie Täter oder Opfer, Mittäter oder Mitwisser. Sie verortet das Grauen im Jahre 1915, aber sie meint das Grauen, das bis heute in dieser Welt zu Hause ist, in Ruanda, in Syrien, in Ägypten, in Mexiko oder in der Ukraine. Seit 70 Jahren haben wir Frieden in Deutschland - aber wie viele Kriege werden gerade jetzt, heute, in dieser Welt geführt? Krieg und Frieden, das ist das Thema, das ist der Grundgedanke hinter dieser Ausstellung. Dabei erweitere ich meine Fragestellung vom Konkreten zum Allgemeinen. Die Grauen des Völkermords von 1915 haben bei mir Fragen an Gegenwart und Zukunft wachgerufen. Und vielleicht stellt sie sich auch der Betrachter: Wie gehst Du um mit dem millionenfachen Morden in der Welt? Gestern, heute, morgen?“, fragt Marietta Armena.

Als Motiv für die Ausstellung „Friedensboten“ wurde das Bild „Euphrat“ ausgewählt, das im Atrium Kirche gezeigt wird. Ganz harmlos auf den ersten Blick: leise treibende Boote auf dem Fluss. Das Motiv zitiert den aus der Türkei stämmigen armenischen Fotografen Ara Güler, der so den Bosporus abgelichtet hat. Marietta Armena versetzt die Szene an den Euphrat. Sie sagt „Der Zuschauer weiß nicht: Spiegelt sich der glutrote Himmel oder ist es das Blut der ermordeten Frauen und Kinder, die den Fluss färben?

Im Franziskussaal sind zwei großformatige Bilder zu sehen, die abfließendes Wasser zeigen. Das Wasser wird klar, es gibt den Blick frei und der Zuschauer sieht auf den Grund. Eine Szene, die der Künstlerin den Atem stocken lässt. Das Gegenstück auf der Nebenwand zeigt zwei Menschen, lebendig, gegenwärtig, voller Freude, die im klaren Wasser schwimmen. Wie ist es eigentlich, wenn wir Urlaub am Mittelmeer machen: Hunderte von Tote auf dem Grund des Meeres und oben haben wir unseren Spaß?“, fragt Armena.

Ähnlich schockierend wie die Wasserszenen sind die beiden Porträts von Mutter und Kind: „Voneinander getrennt, einander unnahbar, das Kind vielleicht noch ungeboren, die Frau vielleicht schon erstarrt in Trauer.Requiem“ habe ich dieses Motiv genannt“, erklärt die Künstlerin.

  

Die Künstlerin Marietta Armena im Gespräch mit Martina Höhns vom Katholischen Gemeindeverband:

Was ist für Sie das Besondere an dieser Ausstellung in unmittelbarer Nähe der Propsteikirche St. Johann?

"Meine Audienz bei Papst Franziskus im vergangenen Sommer war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Er verkörpert für mich, obwohl ich nicht katholisch bin, Güte, Frieden, Menschlichkeit und Zusammengehörigkeit. Er hat ein Herz für alle Menschen, die leiden, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Er ist für mich ein echter Friedensbote. Deshalb hat mich das Angebot, im Franziskussaal an der Kirche St. Johann ausstellen zu können, sehr gefreut. Als ich den Raum das erste Mal betreten habe, sah ich vor meinem inneren Auge das Bild von Papst Franziskus als guter Hirte inmitten der Menschen unter freiem Himmel. Ich musste es einfach malen. Und jetzt sagen mir viele Besucher, dass es perfekt an diese Wand passt. Es wirkt so, als ob der Papst den Besuchern im wahrsten Sinne des Wortes entgegen kommt."

Auch das Bild „Entscheidung“ haben Sie speziell für diese Ausstellung geschaffen. Das Bild spielt mit dem Unterschied und den Gemeinsamkeiten eines Granatapfels und einer Granate.

Nur der Granatapfel spendet uns Leben, die Granate dagegen zerstört es. Die Krone des Granatapfels spiegelt sich in der Granate. Mit dieser Arbeit rufe ich die Menschen auf, Stellung zu nehmen. Ich wünsche mir, dass jedem bewusst wird, dass es meine freie Entscheidung ist, dass es an mir liegt, für was ich mich entscheide und was ich aus den Dingen mache.“

Ihr Markenzeichen ist der Granatapfel. Was hat es damit auf sich?

"Das ist sehr komplex. Der Granatapfel ist eine geheimnisvolle und köstliche Frucht und ein Symbol für meine Heimat Armenien. Zugleich steht er aber auch für das Paradies, oder - noch weiter, als verbotene Frucht sozusagen - für die Vertreibung aus dem Paradies. Man kann den Granatapfel aber auch als Symbol für Mikro- und Makrokosmos lesen. Die einzelnen Segmente, die, getrennt nur durch eine hauchdünne Membrane, nebeneinander existieren und sich gegenseitig brauchen, können unsere ganze Gesellschaft mit ihren unterschiedlichsten Gruppierungen, Interessen, Gegensätzlichkeiten repräsentieren. Friedliches Zusammenleben ist möglich. Die ganze Frucht können wir nutzen, die Schale, die Kerne, die Frucht. Aber es ist wichtig, keinen Kern beim Öffnen zu verletzen. Ich müsste darüber einen ganzen Vortrag halten."

Die Ausstellung „Friedensboten“ soll als Wanderausstellung durch Deutschland und nach Brüssel wandern. Warum ist Ihnen das Friedensthema so wichtig?

 “Wenn man im Frieden lebt, kann man sich nicht vorstellen, was es bedeutet im Krieg zu leben und Gewalt zu erleiden. Die Täter rechnen damit, dass die Menschen, die nicht von Gewalt betroffen sind, wegschauen. Ich möchte so viele Menschen wie möglich ansprechen und sensibel machen für das Thema Krieg und Frieden. Mir ist es wichtiger, dass die Besucher über den Frieden sprechen als über meine Bilder und dass sie das auch in dem offenen Buch dokumentieren, das als Objekt Bestandteil der Ausstellung ist.“

Bild (Martina Höhns): Die Künstlerin Marietta Armena mit ihrem Markenzeichen dem Granatapfel vor ihrem Papstbild im Franziskussaal.

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 10.01.2018