Aktuelle Mitteilungen

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12.03.2019

Propst Martin Schomaker und Pater Nikodemus Schnabel / Foto: Kath. Gemeindeverband - Sabine Gautier

„Wir sind zuerst vor allem Menschen“

Pater Dr. Nikodemus Claudius Schnabel sprach am 11. März im Bremer Rathaus

(sg) Zur Woche der Brüderlichkeit sprach am Dienstag, 11.03.2019 Pater Nikodemus Schnabel im Bremer Rathaus. Pater Nikodemus kommt aus Jerusalem. Er ist Benediktiner und lebt in der Dormitio Abtei, die völkerrechtlich im „Niemandsland“ liege und weder zu Israel noch zu Palästina gehöre.

Schnabel setzt sich mit aller Eindeutigkeit gegen den Antisemitismus ein. Er spricht aus Erfahrung. Israel beschreibt er als hochpolitisches Feld. Er plädiert für einen Dialog der Religionen und betont, als christlicher Mönch könne er nicht antisemitisch sein.

Und wenn wir auf die Vergangenheit schauen, können wir das als Christen nur mit großer Scham. Diese Scham sollte uns jedoch nicht daran hindern uns vehement gegen den Populismus und Antisemitismus zu positionieren. Christen hätten in der Vergangenheit wenig Rücksicht auf das Judentum genommen. Das ist heute anders und das ist auch gut so.

Auf die Frage des Mottos der Woche der Brüderlichkeit „Mensch, wo bist du? Fragen aus Jerusalem / Gemeinsam gegen Judenfeindlichkeit“ hat er keine Antwort. Eine Idee den „Virus des Antisemitismus“ zu bekämpfen, bietet er an. Er zitiert Ernst-Ludwig Ehrlich (+ 2007, deutsch-schweizer Judaist und Historiker). „Theologische Wüste trifft auf moralische Anspruchslosigkeit“.

Schnabel tritt vehement gegen eine moralische Anspruchslosigkeit ein. Es ginge nicht darum, anständig zu sein. Wer dauernd anständig ist, eckt nicht an und genau darauf konnte das 3. Reich aufbauen. Es ginge darum, mutig und ohne Angst zu sein, sich gegen die Mächtigen, den Mainstream, die Feinde und ein „Das macht man so“ zu stellen.

Er äußert zudem den Wunsch, die Theologie möge mehr nachbohren und sich stärker in die Gesellschaft einbringen. Es herrsche ein großer religiöser Analphabetismus. Der „theologische Wasserspiegel“ müsse dringend angehoben werden.

Denn egal welcher Religion ein Mensch angehört oder ob er sich zu keiner bekennt, ist klar: Wir sind zuerst vor allem Menschen und der Wunsch aller Religionen ist der Frieden.